19. Oktober 2014

I just go where the guitar takes me



Findorff, Samstagmittag. Aus der Musikbörse geht das glücklichste Mädchen der Welt. Ihr Wangen tun weh, weil sich das Strahlen so sehr in ihr Gesicht lebt, weil sie nicht aufhören kann von einem Ohr zum anderen zu lächeln. Die ganze Zeit muss sie lachen, in ihrem Bauch steigt dieses warme Gefühl auf, das so wärmend und heilend ist. 

Ich hatte fast vergessen wie es sich anfühlt verliebt zu sein. Das ist traurig. Aber jetzt weiß ich es wieder. An besagtem Samstag bin ich kurz bevor ich zur Uni bin die beste Freundin von der schönsten Gitarre der Welt geworden. Nach eineinhalb Stunden in der Musikbörse und schmerzenden Fingern hielt ich also meine erste richtige Gitarre in meinem ersten richtigen wunderschönen Gitarrenkoffer in der rechten Hand und konnte es einfach nicht fassen. Es fühlt sich wie Verliebtsein an! Jetzt steht sie neben meinem Bett und ich sehe meine Cordoba D9 vorm Einschlafen immer ganz lang an und freue mich einfach, dass sie mir gehört und sie in meinem Zimmer steht. Und wenn ich aufwache, beginnt mein Tag ganz anders, wenn ich weiß: Heute nach dem grauenhaften Klausurentag und nach all dem Stress kann ich einfach vier Stunden meine mickrigen Finger wunder spielen und ein Lied nach dem anderen schreiben. Obwohl es gar nicht so einfach ist, mit dieser Gitarre zu spielen! Nicht nur dass ich Nylonsaiten gewohnt bin und der Stahl mir richtig in die Finger schneidet, nein, bei dem Klang der Gitarre klingt meine Stimme nach gar nichts. Im Ernst, manchmal stimme ich ein altes Lied an und ich kann nicht weiter singen, weil ich am liebsten nur meine neue Gitarre hören würde. 



Ich spiele eigentlich Klavier, aber seitdem ich vor zwei Jahren das Singen für mich entdeckt habe, bringe ich mir auch das Gitarre spielen selbst bei. Bisher habe ich auf der 3/4-Konzertgitarre von meinem kleinen Bruder gespielt. Zu meinem 17. Geburtstag dann haben meine Eltern mir einen Gutschein für eine richtige Gitarre geschenkt. Das ist jetzt schon wieder zwei Monate her, aber das Warten hat sich eindeutig gelohnt. Jetzt kann ich endlich mit einer richtig guten Gitarre üben... Es muss allerdings gesagt werden, dass ich schon ein bisschen kämpfen muss, um mit dem Niveau der Gitarre selbst mitzuhalten. Sie ist schon ein ziemlich wertvolles Exemplar. Das dürfte aber kein Problem sein, weil ich dadurch noch ein bisschen ehrgeiziger werde und mich vielleicht eines Tages mal auf die Bühne traue - wozu mich meine Freunde schon seit Monaten überreden wollen. Mal sehen was daraus wird...
Vielleicht übertreibe ich ja, aber das ist mir wirklich schnurzpiepegal. Die Gitarre hat einfach den schönsten Klang und den schönsten Körper, den ich je gehört und gesehen habe. Es kann sein, dass es mit dieser Gitarre so wird wie mit dem Verliebtsein - irgendwann verblasst die Begeisterung und dann schwindet die Liebe und die Lust und man lässt sich allein und wird alt und einander fremd. Aber das ist so unfassbar unwahrscheinlich, dass ich mir da gar keine Sorgen mache. Ich bin überglücklich und Anselm (dem Inhaber der Musikbörse) so dankbar mir eine seiner besten Gitarren anvertraut zu haben. 









 Es tut mir leid, dass ihr so lange nichts von mir gehört habt. Ich bin momentan mitten in der Klausurenphase und muss meine Facharbeit schreiben und habe unfassbar viel um die Ohren. Auch meine Herbstferien werden nicht besonders erholsam, und es macht mich traurig, dass ich so ernüchtert bin das jetzt schon zu wissen. Aber meine Gitarre kommt auf jeden Fall mit nach Usedom und von dort aus bekommt ihr dann auch wieder ein paar Geschichten mehr von mir zu hören! Vielleicht komme ich mit der magischen Hilfe der Musik doch ein bisschen runter und kann Kräfte für mein Vorabi sammeln. 








 Ich sitze jetzt abends ganz oft an meinem Fenster und sehe in den Herbsthimmel, der besonders jetzt so unfassbar schön leuchtet, und spiele und spiele und singe und singe, bis es zu dunkel ist, um die Hand vor Augen zu sehen. Musik schafft das, was Liebe manchmal nicht kann - sie bleibt. In meiner ganzen Verwirrung und Irrung finde ich mich immer wieder in der Musik wieder. Manchmal reicht es schon, ein altes Lied zu spielen oder ein neues zu lernen und ich fühle mich wie zu Hause. Einfach viel sicherer. Dann ersetzt der Klang und das Summen der Gitarre eine warme Umarmung oder ein tröstendes Wort. Und manchmal sind dann die kaputten Finger wie eine Rückmeldung auf die Fragen, von denen ich singe. Musik gibt mir auf eine faszinierende und unerklärliche Weise viel mehr Energie als alles andere was ich tue. Sie hilft mir das unaussprechliche aber unbedingt zu diskutierende zu verarbeiten und auszudrücken. 
Ich glaube das achte Weltwunder ist eigentlich die Musik. Was ist nur in der Musik? Dass sie so viel in uns bewegen kann, so viel berührt, intensiver als jede andere Instanz? Und das auf der ganzen Welt bei so vielen Menschen? Musik ist ein Rätsel. Ein Rätsel, das trotz seiner unerklärlichen Wahrheit keine Lösung braucht. Musik ist Musik und braucht nichts anderes zu sein, um eines der schönsten Elemente der Erde zu sein. 

Ich hoffe ihr seid alle auf dem Weg und sucht weiter und gebt nicht auf, falls ihr nicht sofort fündig werdet. Der Weg ist ja wohl ganz selbstverständlich das Ziel und solange man weitergeht ist alles okay. Und klar, alles wird gut werden. Und falls ihr euch doch nicht so sicher seid... Fragt mal die Musik. 

Mit wunden Fingern und einem kaputten Kopf und Herzen, verliebt und überglücklich,

euer Mädchen vom Meer

Thea







1. Oktober 2014

HELLO, OCTOBER!





Mit dem ersten Oktober beginnt für mich der Herbst. Da können mir Meteorologen und Astrologen Bücher und Doktorarbeiten um die Ohren hauen - so richtig Herbst ist es erst, wenn wir Oktober haben. Der Herbst ist meine zweitliebste Jahreszeit. Es gibt so vieles, was am Herbst einfach unvergleichlich und unverbesserlich ist, aber drei Dinge sind mir die wichtigsten und liebsten im Herbst. 

Die Natur.

Oh man. Ja. Ich hab manchmal das Gefühl, im Herbst zeigt die Natur so richtig, was sie drauf hat. Das klingt maximal albern, ich weiß. Aber ich kenne keine Jahreszeit, in der einfach jeder Baum und jedes Blatt so wahnsinnig schön aussieht! Und endlich ist nicht mehr alles nur giftgrün. Endlich kommt mal ein bisschen Farbe in die Wälder und Gärten. 
Es gibt wenig schöneres, als morgens um halb acht durch die wabernden Nebelschwaden übers Land zu fahren. Und die Farben, die viel wärmer werden, sodass es überall leuchtet und scheint.  In unserem Garten spazieren zu gehen und bunte Blätter zu sammeln. Mama beim Kränze flechten zusehen. Über die mit Tau benetzten Felder zu joggen, im Morgengrauen. Äpfel von unseren Apfelbäumen pflücken. Ich liebe es Pilze und Maronen sammeln zu gehen! Und dann abends gebratene Steinpilze mit Ofen-Maronen aus dem Zeitungspapier zu essen. Lange Spaziergänge mit meinen Freunden und meinem Hund, Kastaniensammeln und Pflaumen klauen stehen auch ziemlich weit oben auf der Liste. 












Die Gemütlichkeit. 

 Halleluja! Endlich kann sich niemand mehr vorm Kuscheln drücken! Ausreden wie "Sorry, aber mir ist echt viel zu warm!" zählen ab Oktober nicht mehr, meine Lieben. Kuschelsocken, Kuscheldecken, Kuschelhosen, Kuschelschals, Kuschelpullis (!), Kuschelkissen... Und dann Teelichter, heiße Schokolade, Indie-Filme und gute Bücher im Decken- und Kissenmeer. Dafür feiere ich den Herbst!
Ich kann mich wieder warm einpacken und mich in meinen flauschigen Pullis und Schals und den Armen meiner Freunde vergraben und Hüte und Mützen aufsetzen. 
Die Umarmungen werden fester, die Handschüttler werden länger, die Blicke dann irgendwann auch... Weil jeder versucht, Wärme vom anderen zu bekommen, so viel wie da ist, egal mit welchen Mitteln. Ich habe immer das Gefühl, dass je kälter die Luft wird, desto wärmer werden die Worte und Blicke und die Gesichter. Vielleicht liegt das daran, dass der Herbst einen zur Ruhe kommen lässt. Das Jahr wird älter, das kann man irgendwann nicht mehr leugnen. Aber das bedeutet ja nichts schlechtes. Im Gegenteil. Durch die voranschreitende Zeit wird alles etwas stiller. Und in der Ruhe liegt ja die Kraft, nicht wahr?






Das Essen. 

Das musste natürlich auch noch kommen. Das Essen im Herbst gefällt mir immer am besten. Alles, was man heiß essen kann, wird heiß gegessen. Das Essen muss nicht mehr frisch und kalt sein wie im Sommer, sondern kann endlich wieder süß und würzig und heiß werden. Ich gehe besonders im Herbst gerne auf den Wochenmarkt, um dann früh morgens noch im Nebel frisches Obst, Kürbisse und Süßkartoffeln zu kaufen. Sonntags gibt es dann immer unseren Familien-Apfelkuchen mit unseren eigenen Äpfeln, Kanelbullar und Bratäpfel von mir, den Rosinenstuten von Freunden, Zwiebelkuchen und Federweißer am Samstagabend und unter der Woche Kürbisrisotto, Kürbis-Waldpilz-Pfanne, Maronensuppe... Es gibt wieder Chai Latte, heiße Schokolade und Tee in Maßen. Und Sonntagmorgen wird das Frühstück immer länger, immer größer und aufwendiger und alles strotzt so vor Gemütlichkeit. 
Und natürlich kann man schon mal für Weihnachten und Thanksgiving trainieren! 





Ich habe ganz viele Pläne für diesen Herbst. Unter anderem werden wir mit allen unseren Freunden am 23.11. Thanksgiving feiern, was viel Planung und Energie beansprucht. Ich freue mich trotzdem so sehr auf das Wochenende! Es wird ein großes Thanksgiving Essen mit Truthahn, ganz viel Gemütlichkeit am Kamin und einen langen Herbstspaziergang geben. Ein perfekter Herbsttag also!

Ich hoffe ihr seid nicht allzu traurig darüber, dass der Sommer nun endgültig vorbei ist. Swimmingpools kann man toll durch heiße Schaumbäder ersetzen, Cocktails durch Glühwein und (oh my!) Feuerzangenbowle, Snapbacks mit Wollmützen und die Sommerbräune mit rosigen Wangen!    

Ich wünsche euch ein schönes Sommerende und einen tollen Herbstanfang! 
Ende bedeutet auch immer ein neuer Anfang, und jedem Anfang wohnt bekanntlich ein Zauber inne. 


Warme Umarmungen von eurem kuscheligen Mädchen vom Meer,

Thea








27. September 2014

Do not strike a pose

Zwei Wochen Schule sind um. Zwei Wochen vom letzten Jahr. Und obwohl es nur zwei Wochen sind, sind in diesen Tagen an die vierhundert Instagrambilder, dreihundertfünfundsechzig Profilbilder für Facebook und gefühlte drei Trillionen Snaps entstanden. Lachende, schmollende, posende, grinsende, spuckende, grimmige, lässige und völlig gleichgültige Gesichter, in die Kamera starrend - ein Akt der Selbstinszenierung. Jeder weiß, wie das Haar sitzen muss. Jeder trägt das Lächeln, dass er stundenlang auf Kommando vor dem Spiegel eingeprobt hat. Wenn man Emotionen sieht, dann sind sie zielgerichtet eingesetzt, um einen besonderen Effekt hervorzurufen. 



Wie sehen wir aus, wenn wir uns Sorgen machen? Wie sehen wir aus, wenn wir uns aufregen? Wie, ja, wie sehen wir aus, wenn wir an den schmerzhaftesten Moment unseres Lebens denken? Wie fühlt es sich an, Bilder von einem Menschen zu machen, der nicht für die Kamera lächelt und sich stellt? Wie sieht das aus? Echte Gefühle, echte Reaktionen? 

Franzi und ich wollten das wissen. 
Es war irgendwie unbeholfen, schwierig und furchtbar komisch. Im positiven Sinne. Es waren  7 Fragen. Über Situationen, Freunde, Feinde, Lehrer, Gefühle. Und die richtigen Bilder im richtigen Moment.

1. Was war das schönste Erlebnis in deinem Leben?

2. Was war das schlimmste Erlebnis deines Lebens?

3. Was nervt dich an dieser Person?

4. Was ist mit jenem?

5. Was war das peinlichste Erlebnis bisher?

6. Was denkst du über diesen?

7. Wie fühlt es sich an, bald sein Abitur zu haben?

Uns ist die Bilderreihenfolge und damit der Zusammenhang zwischen Bildern und Fragen abhanden gekommen... Meint ihr, ihr wisst, welche Bilder zu welcher Frage gehören?































 Ich finde das kann man ein ziemlich interessantes Ergebnis nennen! Es hat so viel Spaß gemacht, obwohl es merkwürdig ist, die Maske für den Alltag mal abzunehmen und ich selbst zu sein. Obwohl... sollte nicht gerade das viel angenehmer und normaler sein? 

Vielen Dank noch einmal an meine tolle Freundin, Fotografin und Interview-Partnerin Franzi! <3 nbsp="" p="">

In den folgenden Wochen werden wir das Projekt weiterführen und unsere Freunde, Familie und andere Freiwillige vor die Kamera stellen. Wir sind schon super gespannt auf die Bilder und auf die Gesichter, ihr hört bestimmt noch von uns!

Eine gute Nacht wünscht euch,

euer Mädchen vom Meer