By the water / on the road

20:42


Alle Bilder in diesem Post sind von meiner Freundin Alina geschossen worden.


Wir laufen seit einer gefühlten Ewigkeit durch weißen Sand, endlos weißen Sand. Natürlich sind wir bei Niedrigwasser angekommen, man kann das Meer nur als dünnen Faden am Horizont ausmachen. Es riecht nach Salz, gammelnden Algen, Möwen schreien und man kann Kinder lachen hören. Warum fährt man überhaupt in die Südsee, wenn man an der Nordsee so wunderschön Urlaub machen kann?
Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man diese Küste nicht lieben kann. Diesen Inbegriff von Zuhause. Ich verstehe, dass nicht jeder Deiche toll findet. Für mich symbolisieren sie aber eine Stärke, eine Ruhe und Beständigkeit. Vielleicht zeigen sie mir eine Sicherheit, die ich nie hatte. Deiche stellen eine Grenze in der Landschaft dar. Wenn ich im Auto sitze und irgendwann nur noch riesige Höfe und Kuhweiden an mir vorbeifliegen, Möwen und nicht mehr Krähen auf den Feldern sitzen, und die Luft salzig wird - dann bin ich Zuhause. Und wenn der erste Deich am Horizont auftaucht, dann überkommt mich sofort der Drang dort hochzuklettern und endlich weiter zu sehen. Weiter. Irgendwie witzig, dass etwas die eigene Seele so repräsentieren kann. I guess home is where your heart is. 

Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals einen so furchtbaren DJ erleben musste. In einem so merkwürdigen Club. Vor ein paar Monaten wäre ich frustriert gewesen, ich hätte mich geärgert, weil ein Abend, an dem ich ausnahmsweise mal das Haus verlassen habe, überhaupt kein positives Produkt hatte. Heute bin ich nur verwirrt, weil die Gesamtsituation so merkwürdig ist. Die ganze Zeit laufen schier untanzbare Lieder, der DJ passt überhaupt nicht ins DJ Bild... Und außerdem ist alles voll von unzähligen, zwielichtigen Gestalten. Direkt vor unserem Bier verschlingen sich zwei von ihnen und sehen dabei herzlich unappetitlich aus. Ich denke daran, dass wir noch den ganzen Weg nach Hause laufen müssen und ich werde auf einmal müde. In der Schule war das alles noch ganz anders. Was für ein Haufen von feierwütigen Kindern wir waren. Ich lächle in mich hinein. Bald sind alle wieder da, bald ist dieses erste Jahr der Freiheit vorbei. Es sind noch zwei Wochen bis zum Sturm von traurigen E-Mails, und eigentlich will ich die Bescheide gar nicht bekommen. Zu groß ist die Diskrepanz zwischen Aufregung und Angst. Aber an Ungewissheit reicht es mir auch langsam. 
Fünf Minuten später sind wir wieder auf den nassen Straßen und machen uns auf den Weg nach Hause. 

Ahoi,

hinter mir liegt eine schöne letzte Juliwoche und ich hoffe, der letzte Monat hatte ein paar schöne Momente für euch parat. Vor uns liegt ein neuer, und ich hoffe, dass es ein guter wird. Wie angekündigt habe ich ein paar Tage am Wasser verbracht, ein wenig zur Entspannung, da ich dieses Jahr noch keinen Sonne, Strand, Meer Urlaub hatte, aber auch um noch etwas Natur und Ruhe mitzubekommen, bevor es für mich nach Paris geht. 
Von diesem Post gibt es in dem Moment, in dem hier Buchstabe für Buchstabe tippe, schon vier Entwürfe. Irgendetwas gefällt mir nicht, irgendetwas passt nicht in mein Image... Ich weiß nicht mal, ob ich diesen Post tatsächlich veröffentlichen werde, aber gerade habe ich ein gutes Gefühl.Vorneweg schon mal eine ehrliche Entschuldigung für all die Schachtelsätze.

Neben den dunklen Schatten und den schlimmen Tagen drehen sich meine Gedanken zur Zeit am häufigsten darum, was unseren inneren Frieden, Zufriedenheit und Glück betrifft. Im letzten Jahr habe ich mir angewöhnt, in jeder Woche meine natürlichen Antidepressiva auf einer Liste zu notieren. Ich habe das Glück, nicht so schwer erkrankt zu sein, dass ich eine medikamentöse Therapie brauche, jedenfalls jetzt nicht mehr. Und ich bin ehrlich gesagt ziemlich froh darüber. Trotzdem gibt es Tage an denen man schon gerne mal irgendwas einwerfen würde, was die Welt farbiger macht, Gefühl in Arme und Beine bringt und einem die Schwere von den Schultern nimmt. Es gibt Momente, in denen man so einiges tun würde, damit, was auch immer einen gerade quält, einfach aufhört. Wer schon mal ähnliches erlebt hat, der weiß, dass das aber nicht mit irgendeiner Pille, Blättchen oder Pulver geht, auch nicht mit besonderen Tinkturen oder Drinks. Es ist ein verdammt langer Weg aus dem Tal auf die Bergspitze. Egal was für einen Weg man vor sich hat, die kleinen Fortschritte zu erkennen, das macht alles leichter. Mir hat es sehr geholfen, die Ereignisse oder Dinge, die mich ein bisschen an das Gefühl, glücklich zu sein, erinnert haben, festzuhalten. Die ersten drei Punkte auf meiner Liste waren, das weiß ich noch: 1) Frische Blumen kaufen. 2) Der Geruch der Kaffeeröstereien in kalter Winterluft. Und 3) meine beste Freundin vor Lachen weinen zu sehen. 
Vielleicht ist das ein bisschen komisch, aber mir hat es sehr geholfen, das Schöne und Gute in den Kleinigkeiten des Alltags zu sehen. 

Wir können so weit kommen, wenn wir an uns glauben und etwas erreichen wollen. Ich weiß nicht genau, ob ich mit meinem Leben wie es jetzt ist, zufrieden wäre - hätte man mich das vor zwei Jahren gefragt. Von meinem aktuellen Standpunkt sieht es ganz gut aus. Na klar, da gibt es einige Umstände, die immer noch alles schwer machen, aber auch diese kann man akzeptieren und mit ihnen umgehen. Letztens wurde ich komisch angeguckt, als ich sagte, ich würde noch einmal diesen Weg gehen, wenn ich die Wahl gehabt hätte. Ich glaube, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Damit will ich nicht sagen: "Gott hat eines Tages auf seiner rosa Wolke beschlossen, dass ich ein zwei drei vier psychische Macken gebrauchen könnte und das ist total toll von ihm." Kein bisschen. Ich will sagen, dass ich stärker bin und dass wir an Schicksalsschlägen wachsen können. 


Wir können bestimmte Wunden selbst heilen, auch da, wo ein Pflaster nicht reicht und manchmal genausowenig ein Druckverband. Wir können uns von schlechten Beziehungen lossagen und unsere eigenen Grenzen abstecken. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Selbstachtung und -erhaltung. Manchmal ist es nötig, ein paar Gänge runterzuschalten, alles etwas langsamer anzugehen. Unser eigenes Glück darf nicht von anderen abhängig sein. Wir haben das selbst in der Hand. Unser Weg ist nur an unseren Maßstäben zu messen, nicht zu vergleichen oder von anderen zu beurteilen. Ja, andere Leute denken bestimmt, dass ich mit meinem Körper keinen Bikini am Strand tragen sollten. Und ja, dass ich weder einen Studiums- noch Ausbildungsplatz habe, wird manchmal mit betretenem Schweigen beantwortet. Aus meinem Abijahrgang sind einige schon auf dem besten Weg erfolgreiche Geschäftsleute oder Ärzte zu werden, sie sind Fitnessmodels oder halten Reden im Hauptquartier der UN. Das ist großartig und bewundernswert. Aber es muss nicht mich selbst herabsetzen, oder? Wir können doch alle nebeneinander auf unsere Art und Weise sein, ohne einander zu vergleichen. Das ist der erste Schritt zum inneren Frieden. Andere so zu lassen, wie sie sind. Dich so zu akzeptieren, wie du bist. Natürlich kann man immer nach der besten Version seiner selbst streben, das ist kein bisschen verwerflich, sogar sehr gut. Wenn die Ziele realistisch sind. Und man die Selbstliebe nicht vergisst. 


 

Eigentlich will ich nur sagen, dass es für das eigene Glück nicht so viel braucht. Nicht so viel wie man denkt. Ihr seid gut so wie ihr seid. Ist manchmal ganz schön schwer zu glauben, ich weiß. Trotzdem wahr. Die Balance in allem ist das Magische am gesund und glücklich werden. Habt euch lieb, seid gut zu euch und lehnt euch mal ein bisschen zurück. Und nicht so aufgeregt sein, der ganzen Unibescheide wegen - das wird schon. 
Erst der zweite Post nach langer Pause und schon wieder hole ich alles an Wirrwarr raus, was man so bieten kann. Oh man. Ich hoffe, dass das ein bisschen besser wird, wenn ich etwas mehr Gewissheit habe, was die Zukunft angeht.

Ganz wenige Bilder, um genau zu sein sogar gar keine, dafür hab ich aber wieder einen Film für euch. So einen wird es übrigens bald wieder geben und zwar über unseren Trip nach Paris, dazu gibt es dann aber auch mehrere Posts und viele Bilder. 



 Passt auf euch auf, nehmt das Leben nicht zu ernst, genießt eure Zeit!

Eine Umarmung mit liebem Gruß vom Meer,

Thea

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